Samstag, 6. Oktober 2012

kunstmomente no. 6

Manchmal gibt es so Tage....wie neulich:

Am Abend - oder besser gesagt in der Nacht zuvor lange telefoniert. Wirklich absurd lange. Es war schon wieder hell um genau zu sein. Dann, nach ein paar Stunden Schlaf, mit literweise Kaffee den Kampf gegen das Rumschlumpfen angetreten und einigen zaghafte Versuche unternommen, wenigstens ein bisserl was auf die Reihe zu bekommen. Dann das Handtuch geschmissen und 'nen Film reingeschoben. In solchen Momenten ist es dann relativ latte, welcher Streifen genau im Player landet. Da werden jene bemüht, die schon seit Monaten oder gar Jahren durch die Regale fliegen, aber bisher noch nie für interessant genug befunden wurden, um das Abendprogramm gestalten zu dürfen. In diesem Fall war es „In deiner Haut“. Klingt schön seicht, ein bisserl kitschig vielleicht – aber auf keinen Fall sonderlich kompliziert. Perfekt.

Den Anfang habe ich dann auch erstmal seelenruhig verschlafen – war ja schließlich Sinn der Übung. Bin dann aber bei einem fürchterlichen Gefühlsausbruch der Protagonistin wieder aufgewacht – und ab da am Bildschirm geklebt. Die Story ist schnell erzählt: Mutter (Helena) und Tochter (Sam) haben einen Autounfall, bei dem die Mutter stirbt. Um das Leben der Tochter kämpfen die Ärzte und verlieren sie um ein Haar. Doch sie überlebt. Als Sam aufwacht, lebt ihn ihr allerdings Helena weiter.

Es entsteht ein kompliziertes Gewirr von Emotionen, Widersprüchen, Konflikten - aber nicht zuletzt auch Glück: Helena und Ben (der Vater von Sam und Ehemann von Helena) entscheiden zwar, dass Helena das Leben ihrer Tochter weiterleben soll, damit es für sie bereit ist, wenn sie wiederkommt, doch das ist natürlich alles andere als möglich. Mal ganz abgesehen von den üblichen Generationsdiskrepanzen und der Unkenntnis der Eltern darüber, wie ihre Kinder die Pubertät erleben, steht die Liebe zwischen den beiden Ehepartnern und ihre Sehnsucht zueinander allgegenwärtig im Raum - und muss in dem zernagendem Wissen, dass die Rückkehr der Tochter den Tod Helenas bedeutet, bestehen.

Den Willen die Tochter zu finden – ist somit von Beginn an mit dem stärksten Antagonisten überhaupt verknüpft und genau das ist das Spannende an diesem Rollentausch, der schnell eine eigene Dynamik entwickelt. Helena erlebt natürlich, dass sie nicht einfach ihre Tochter spielen kann, sondern innerhalb des Lebens ihrer Tochter eigene Wünsche entwickelt. Sie erlebt eine zweite Jugend, mit der Chance längst vergessene Träume zu verwirklichen und auszuleben. Helena wird in Sams Körper nach und nach zu einer eigenen – neuen Person.

Diese Mischung finde ich ein dermaßen spannendes Netz von Drahtseilakten, dass es mir schon fast egal war, dass die Konflikte mitunter ein wenig sehr dürftig aufgelöst wurden und das Ende eher brechstangenmäßig war. Ich fand es schon spannend genug zu sehen, wie die Stränge miteinander kollidierten und welche Kräfte jeweils an ihnen zogen.

Äußerst treffsicher daneben, fand ich allerdings (nur), wie sich das Sexualleben zwischen Ben und Helena in Sams Körper entwickelt hat. Während Helena ihren Mann schon recht fix ins Bett drängte, übte er sich noch in Zurückhaltung. Bis zu einem alkoholisch ausgelassenem Moment, in dem Helena ihn schließlich mit den Worten Ich bin eine erwachsene Frau im Körper einer 17jährigen. Ich bin der lebendiggewordene feuchte Traum aller Männer verführte. - Da ist sicher grundsätzlich was dran, aber dann doch eher, wenn es sich um die just kennengelernte Stieftochter o.ä. handelt. Um mit der eigenen Tochter – egal ob geistig anwesend oder nicht – in die Kiste zu steigen, gehört dann doch 'ne Runde Perversion dazu. - Und um ihren Körper dem eigenen Vater „anzubieten“, übrigens auch.

Damit will ich gar nicht sagen, dass beide ab diesem Zeitpunkt irgendwie so etwas, wie „moralisch untragbar“ waren, sondern, dass diese Grenzüberschreitung – zumindest in meinem Empfinden – unweigerlich bedeuten müsste, dass sowohl Ben, als auch Helena sich unwiderruflich wünschen, Sam möge nicht mehr in ihren Körper zurückkehren. Denn die gedankliche Umwandlung vom erotisch neutralen Körper der eigenen Tochter zum erotischen Körper der eigenen Frau, geht nur entweder ganz oder gar nicht. Dies wurde jedoch im Film leider nicht ausgeführt - auch nicht die damit unweigerlich einhergehenden Schuldgefühle.

Trotzdem! Der Film hat mich wahnsinnig berührt und wird mich vermutlich noch einige Tage lang beschäftigen.....




Für meinen Oktober-Kunstmoment möchte ich ganz herzlich HellaS, PepeB, Ulaya und Inka danken:




Bei HellaS gibt es einen "Leerdammer" des Künstlers Leonard Wübbena zu betrachten und sie fragt nach möglichen Interpretationen. Wenn ihr Ideen habt, nur zu! 









PepeB zeigt uns eine spannend fotografierte Installation am Haus der Kunst in München










Ulaya nimmt uns mit in einer Ausstellung der rumänischen Moderne bis zur Herausbildung der Avantgarde im alten Rathauses von Sibu. Welche Bilder ihn besonders begeistert haben, erfahrt ihr hier.....







Ganz zufällig hat Inka dieses einladende Schneckenhaus entdeckt - und wäre am liebsten selbst hineingekochen, angesichts dessen, dass sie es schon nicht mitnehmen konnte






Wenn ihr auch Lust habt mitzumachen! Umso besser! Postet einfach eure Kunstmomente auf eurem Blog. Ihr müsst natürlich nicht unbedingt heute bloggen oder zu einem anderen festen Termin. Verbloggt eure Momente einfach dann, wenn sie euch über den Weg laufen oder ihr in alten Bildern und Erinnerungen stöbert - eben dann, wann es euch in den Kram passt.

Egal ob witzig, ernst, romantisch, gruselig, bunt, nervenaufreibend, spannend, glamourös, flüchtig, klein, groß, kurz oder lang: Ich würde ihn zu gerne sehen - euren Moment mit der Kunst. Schickt mir einfach euren Link als Kommentar. Zu meinem nächsten Kunstmoment am 1. November erstelle ich wieder eine kleine Galerie und verlinke eure Postings. Über eine Verlinkung in eurem Beitrag würde ich mich außerdem mächtig freuen! :D

Alle weiteren Infos findet ihr hier

Kommentare:

  1. Du hast den Film sehr gut beschrieben und das macht nun natürlich neugierig auf mehr. Ich habe in Stockholm ein Foto gemacht, extra für Deine Aktion "Kunst auf der Straße". Ich sende Dir den Link morgen oder übermorgen, wenn ich den Post einstelle. Viele Grüße Synnöve
    P.S. Sophie Hunger und Band spielen am 19.11.12 in Berlin im Volksgarten.

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  2. Hier nun der Link zu meinem angekündigten Bild "Kunst auf der Straße" bzw. "Kunstmomente".
    http://seraphinasphantasie.blogspot.de/2012/10/stockholm-sodermalm.html
    Ich wünsche Dir einen sonnigen Sonntag. Viele Grüße Synnöve

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  3. Hallo! Schön, wieder von dir zu hören! Den Film habe ich übrigens letzten Winter im Kino gesehen und fand ihn auch cool. Es ist übrigens ein Roman, der verfilmt wurde, das steht in der Wiki.
    Viele Grüße!

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  4. Hallo Sarah-Maria,
    ich glaube, der Film an für sich würde mich wenig interessieren. Klasse finde ich die Einleitung beschrieben, dass Du kaum geschlafen hast und wie Du versuchst wach zu werden. Interessant finde ich auch, dass Du Kunstmomente eines bestimmten Monats (hier: Oktober) zeigst. In der Stadtbücherei in BN-Bad Godesberg ist momentan eine neue Ausstellung. Wenn ich es schaffe zu fotografieren, schicke ich Dir die Fotos rüber. Finde ich grundsätzlich schön, dass auch andere Blogger Kunst zeigen und dass Du dies zusammenstellst.

    Gruß Dieter

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