Samstag, 27. Oktober 2012

hans op de beeck | visual fictions

Ich träume sehr intensiv. Viel. Detailreich. Und habe diesbezüglich einige Eigenarten. Eine meiner besten Trümpfe – im Übrigen. Ich träume oft in wiederkehrenden Welten, die ich bis in den letzten Winkel kenne. Und ja, ich könnte sie aus dem Stegreif wirklich sehr detailliert beschreiben. Aber das ist nicht der Punkt. Es geht dabei nicht um Geographie, sondern eben ums Kennen. Wahrscheinlich sogar darum sich zu erkennen. Zudem träume ich manchmal – nicht immer – bewusst. Heißt, ich denke während ich träume über meine Träume nach.

Entsprechend interessieren mich Träume im detailliertesten Sinne von allgemein sehr. Und wie das halt immer so ist. Kürzlich. Just nach einem Gespräche über Träume - also mit entsprechend geschärftem Wahrnehmungsfilter – bin ich über eine Ausstellungsankündigung im Hannoveraner Kunstverein gestolpert:

"Die atmosphärischen Inszenierungen […] erzeugen eindrückliche Momente zwischen Wachheit und Traum […] eine vertraute Realität, die doch zugleich befremdet und auf ihre Künstlichkeit und Konstruiertheit verweist […] stimulieren den Assoziationsfluss des Betrachters […] in einem Wechselspiel von Erinnerung und Vision.“ … und damit wir uns richtig verstehen: Das ist kein Satz, den ich zwecks Verkürzung beschnitten habe. Es ist mehr so was wie eine Collage der einleitenden Worte im Flyer. Sozusagen die Quintessenz, die ich als sinnvolle Beschreibung für diese Ausstellung sehe.

Jedenfalls: Wenn das keine Ver(froh)lockung ist, dann weiß ich auch nicht! Also war ich da.

Die Ausstellungsräume wirken tatsächlich immer leicht neben der Wirklichkeit – minimal entrückt. Meistens konnte man innerhalb der Räume auch nicht auf Anhieb die Ein- und Ausgänge erkennen. Man lief wie durch ein Labyrinth und wurde intuitiv weitergeschubst. Hans Op de Beecks Installationen und Filme sind größer oder kleiner als die Realität, schimmern schwimmend im Licht, sind aus anderen Materialien als die Wirklichkeit, geschehen in Zeitlupe – oder alles gleichzeigt. Manchmal sind sie mit Musik hinterlegt, die immer sehr intuitiv ist – und Gedanken öffnet. Immer aber sind sie auf eine besondere Essenz reduziert, die gleichzeigt kahl, kühl, pointiert und geborgen, intim und heim-lich wirkt.

Man hatte sofort und unmittelbar einen Einstieg in den Fluss der persönlichen Assoziationsketten. Dem konnte man sich gar nicht erwehren. Ich hatte dadurch das Gefühl tatsächlich durch meine eigenen Träume zu wandeln – sie von oben zu betrachten. Womit wir wieder bei meinen einleitenden Worten wären. Es war, wie in einem meiner bewussten Träume. Nur. Nicht ganz natürlich. Und der Unterschied ist gar nicht so leicht in Worte zu fassen, auch wenn er auf der Hand liegt, da ich ja nunmal wach war….

Die Ausstellung könnt ihr noch bis zum 11. November besuchen! Es ist die erste deutsche Einzelpräsentation der Werke von Hans Op de Beeck. Und nur so als Tipp: Geht mal in den Räumen zurück, schaut sie euch ein zweites Mal an – es fühlt sich tatsächlich ein wenig so an, als wenn man in seinen Träumen zurückspult. Es stellt sich eine sehr subtile und intime Form von Vertrautheit zu den Installationen ein. Wie Traumorte eben – die man schon besucht hat und durch sie hindurchassoziiert ist. Die nun bereit sind weitere Bedeutungen zu bekommen....

Ausstellungs-Bilder zeige ich nicht. Ich hab gar nicht erst gefragt, ob das urheberrechtlich in Ordnung geht. Denn die Werke wirken eben nur im Zusammenspiel zwischen der Beleuchtung, den Proportion zum Raum und Betrachter, der Musik - also der Atmosphäre insgesamt. Das hätte ich mit meiner Handykamera ohnehin nicht einfangen können. Daher müsst ihr Vorlieb mit mir als Betrachterin nehmen. Oder aber ihr schaut euch einfach an, was Hans Op de Beeck selbst zu sagen hat. Ganz allgemein. Nicht zu dieser Ausstellung.

Danach war ich übrigens noch in der Oper (Schostakowitsch | Lady Macbeth von Mzensk) - ein nicht minder spektakuläres Erlebnis! Was aber letztendlich nun genau dazu geführt hat, dass ich letzte Nacht so unfassbar gut geschlafen und geträumt habe, sei an dieser Stelle mal mir selbst überlassen. ;)

Kommentare:

  1. danke für den Tipp - vielleicht kommt die Ausstellung ja auch mal in meine Ecke :-)

    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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    1. ob genau diese ausstellung wandert, weiß ich nicht, aber es wird sicher auch mal in anderen städten gelegenheiten geben sich sachen von ihm anzusehen. ;)

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  2. Das ließt sich echt interessant.
    Nun muss ich mal schauen... Wo diese Ausstellung ist.
    Liebe Grüsse von Sylvia

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    1. vom bahnhof kann man in 5 minuten zu fuß hinlaufen. ist hinter der oper. in dem haus gibt es zudem noch ein kino und ein echt nettes cafe.

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  3. Liebe Sarah Maria,

    das klingt wahnsinnig interessant, was du hier erzählst und dein Schreibstil ist mitreißend und weckt bei mir eine gewisse Euphorie!
    Wie gerne würde ich auch bewusster träumen, wie gerne würde ich mich in meinen Träumen als Person wiederfinden und nicht erst morgens aufwachen und mich wundern, wer diese Gestalt in der letzten Nacht war..

    Die Ausstellung klingt unheimlich spannend. Ich muss jemanden finden, der Lust hat mit mir mal in diese Richtung zu fahren und dann werde ich es mir anschauen.

    Danke auch für deinen Kommentar. Ich habe auch die Befürchtung, dass das Jahr ruck zuck vorbei sein wird. Ich bin dort schon zwei Monate und es fühlt sich an, als habe ich gestern angefangen. Das ist einerseits gut, denn man sieht inwiefern es einem wirklich gefällt, aber andererseits auch ein wenig erschreckend. Dann stehe ich ja wieder vor der Frage: Was ist danach?!
    Ich habe zwar eine Vorstellung, was ich später machen möchte, aber das scheint alles noch so weit weg..

    Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag!
    Alles Liebe,
    Marlene

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    1. huhu marlene,
      erstmal lieben dank! so ein feedback hört man natürlich gerne. der teil mit der euphorie freut mich ganz besonders^^

      klingt toll bei dir! nach mächtig viel leben. ;) - wenn die zeit langsam plätschert passiert ja meist auch nix.

      lass es dir verdammt gut gehen und liebe grüße!

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